
Kreative Prozesse können begeistern, überraschen und gleichzeitig ganz schön herausfordern. Denn dort, wo etwas Neues entsteht, lässt sich nicht jeder Schritt im Voraus planen.
Als Unternehmerin oder auch Solo-Selbstständige laufen bei dir wahrscheinlich ohnehin unterschiedliche Aufgaben, Rollen und Projekte zusammen. Kreative Prozesse verlangen dabei eine besondere Form von Flexibilität, weil ihr Verlauf nicht vollständig vorhersehbar ist.
Wenn gleichzeitig viele Anforderungen Aufmerksamkeit beanspruchen, kann sich ein ohnehin komplexer kreativer Prozess schnell chaotisch anfühlen. Dieses Gefühl von Chaos muss jedoch kein Hinweis darauf sein, dass etwas schiefläuft.
Kreative Prozesse verlaufen häufig nicht linear. Phasen des Öffnens, Suchens und Verwerfens können zunächst unübersichtlich wirken – obwohl genau dort Neues entstehen kann.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht unbedingt, wie du das Chaos möglichst schnell beseitigst. Sondern ob du erkennst, was dein kreativer Prozess gerade braucht.
Kreative Prozesse folgen keiner vollkommen linearen Logik. Eine Idee führt zur nächsten, neue Erkenntnisse verändern bisherige Annahmen und vermeintliche Umwege können plötzlich relevant werden.
Gerade in diesen offenen Phasen kann wertvolles Potenzial liegen. Solange Ideen nicht vorschnell bewertet oder auf eine Lösung verengt werden, bleibt Raum für ungewöhnliche Verbindungen und unerwartete Möglichkeiten.
Das, was sich wie Chaos anfühlt, kann also schlicht bedeuten:
Es sind gerade mehr Möglichkeiten vorhanden, als bereits Entscheidungen getroffen wurden.
Das ist ein wichtiger Unterschied, denn Chaos ist nicht das Ziel eines kreativen Prozesses.
Offenheit schon.
Viele unserer Arbeits- und Planungssysteme sind linear organisiert. Kreative Prozesse sind es häufig nicht.
Das Gefühl von Chaos kann deshalb auch dort entstehen, wo wir versuchen, einen nicht-linearen Prozess in eine lineare Arbeitslogik zu pressen.
Dabei brauchst du dich nicht zwischen Kreativität und Struktur zu entscheiden. Ein guter kreativer Prozess braucht beides – nur nicht immer gleichzeitig.
Es gibt Phasen, in denen Möglichkeiten entstehen dürfen. Andere, in denen Zusammenhänge sichtbar werden müssen. Irgendwann braucht es Bewertung und Entscheidung. Und schließlich müssen ausgewählte Ideen ihren Weg in die Umsetzung finden.
Die Funktionen dieser Phasen unterscheiden sich.
Wer während des Öffnens bereits jede Idee bewertet, kann Möglichkeiten begrenzen, bevor sie sich entwickeln konnten. Wer dagegen immer weiter öffnet, wenn längst Entscheidungen gebraucht werden, produziert irgendwann mehr Möglichkeiten, als für das Vorhaben hilfreich sind.
Gute Struktur begrenzt Kreativität nicht, sondern gibt ihr einen Rahmen, in dem sie wirksam werden kann.
Nicht jede Phase eines kreativen Prozesses fällt jedem Menschen gleich leicht.
Manche öffnen mühelos immer neue Möglichkeiten, stellen Verbindungen her und entwickeln eine Idee nach der anderen – tun sich aber schwerer damit, diesen Raum wieder zu verkleinern.
Andere suchen früh nach Struktur und Entscheidungen. Das kann eine große Stärke sein, kann aber auch dazu führen, dass Möglichkeiten bewertet werden, bevor sie sich wirklich entfalten konnten.
Ich selbst gehöre eher zu den Menschen, denen das Öffnen leichtfällt. Gedanken und Ideen sprudeln zu lassen, ist für mich selten das Problem. Interessanter wird der Moment, an dem aus all diesen Möglichkeiten wieder eine Richtung entstehen soll. Ich musste das richtig lernen, und habe das auch - erst in meinem Designstudium, den kreativen Prozess zu führen und später in meinem Brand Management Studium die Richtung vorzugeben.
Und daraus entstand bei mir ein wichtiger Perspektivwechsel. Denn „Du bist chaotisch“ ist etwas anderes als „Dir fällt eine bestimmte Phase des kreativen Prozesses leichter als eine andere.“
Im ersten Fall wird einer Situation schnell eine Eigenschaft einer Person gemacht. Der zweite Fall zeigt, welche Fähigkeiten bereits stark ausgeprägt sind – und an welcher Stelle die Person im kreativen Prozess mehr Unterstützung oder Struktur braucht.
Ein kreativer Prozess verändert sich, während er voranschreitet.
Am Anfang braucht es häufig mehr Raum für Möglichkeiten als für Entscheidungen. Später müssen Zusammenhänge sichtbar werden und aus vielen Optionen entsteht eine Auswahl. Irgendwann verschiebt sich der Schwerpunkt von Exploration zu Entscheidung und schließlich zur Umsetzung.
Diese Bewegungen widersprechen sich nicht. Sie gehören zu demselben Prozess.
Es wird eher dann schwierig, wenn wir in einer Denkbewegung hängenbleiben.
Wer immer neue Möglichkeiten produziert, obwohl längst eine Entscheidung ansteht, verwässert die Richtung. Wer Entscheidungen erzwingt, obwohl wesentliche Fragen noch offen sind, schließt Optionen zu früh und schöpft das Potenzial nicht aus.
Die entscheidende Kompetenz besteht deshalb nicht darin, einen kreativen Prozess möglichst schnell in Ordnung zu bringen.
Sie besteht darin, zu erkennen, welche Art von Offenheit oder Struktur der Prozess gerade braucht.
Gerade bei komplexer kreativer Arbeit entsteht Fortschritt nicht linear und nicht jeder Entwicklungsschritt ist unmittelbar von außen sichtbar.
Manchmal verändert eine neue Erkenntnis das bisherige Bild. Manchmal stellt sich eine vermeintlich vielversprechende Idee später als Sackgasse heraus. Und manchmal braucht es Abstand oder einen Perspektivwechsel, bevor Zusammenhänge erkennbar werden.
Das bedeutet nicht automatisch, dass der Prozess ins Stocken geraten ist.
Auch nach einer Entscheidung bleibt kreative Arbeit beweglich. Neue Erkenntnisse können dazu führen, dass Annahmen, Ideen oder bereits geplante Schritte noch einmal angepasst werden.
Flexibilität bedeutet dabei nicht, jeder neuen Idee hinterherzulaufen. Sie bedeutet, beweglich zu bleiben, ohne die Richtung aus dem Blick zu verlieren.
Nicht jedes Chaos muss beseitigt werden. Aber auch nicht jedes Chaos ist produktiv.
Manchmal befindet sich ein Vorhaben genau in der offenen Phase, die es gerade braucht. Manchmal sind schlicht viele Möglichkeiten gleichzeitig sichtbar. Und manchmal ist tatsächlich der Punkt erreicht, an dem mehr Ideen nicht mehr weiterhelfen und eine Entscheidung gebraucht wird.
Von innen ist dieser Unterschied nicht immer leicht zu erkennen.
Und genau deshalb ist für mich die entscheidende Frage nicht:
„Wie bekomme ich dieses Chaos weg?“
Sondern:
„Was braucht dieses Vorhaben jetzt, damit es sich in die richtige Richtung weiterentwickeln kann?“
Genau an dieser Stelle setze ich mit meiner Arbeit an.
Ich komme nicht mit einer fertigen Antwort und auch nicht mit der sprichwörtlichen Schere, um alles bisherige zu beschneiden. Besonders in der Product Intervention liegt mein Blick diagnostisch darauf was bereits da ist, wo dein Vorhaben gerade steht, welche Möglichkeiten darin liegen und wo möglicherweise eine Entscheidung gebraucht wird um weiterzukommen.
Denn ein junges Vorhaben kann Richtung brauchen. Ein etabliertes kann von einem neuen Blick auf gewachsene Strukturen profitieren. Ein angeschlagenes braucht vielleicht eine andere Form von Aufmerksamkeit. Und auch etwas, das gerade kräftig wächst, kann an einen Punkt kommen, an dem Wachstum beginnt zu wuchern.
Nur bevor etwas verändert wird, ist es gut zu verstehen, was da eigentlich wächst – und wohin es wachsen soll.
Wenn du gerade an so einem richtungsweisenden Punkt stehst und einen Blick von Aussen brauchst, schau dir Product Intervention gern genauer an:
Product Intervention
Nähre nur, was wachsen soll.
Von Antje Eichhorn
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